Lillis "GUTEN MORGEN" in der Oberhessischen Zeitung
14.02.2012
Bei frostigen Temperaturen, bei denen
selbst größere Wasserstellen zugefroren sind, verbrauchen Vögel
oft sehr viel wertvolle Energie, um zu weit entlegenen Flüssen oder
Bächen zu fliegen, um dort zu trinken oder zu baden. Das weiß auch
ein Alsfelder Vogelfreund und hat deshalb eine mit Wasser gefüllte
alte Auflaufform, der der Frost nichts anhaben kann, in seinen Garten
gestellt. Mehrmals täglich entfernt er das Eis und füllt frisches,
lauwarmes Wasser nach.
Nun dauert es nicht mehr lange, und die
Spatzenschar lässt sich nieder, um ausgiebig zu trinken und zu
baden. Ein Gespritze und Gewusel: Gleichzeitig sitzen bis zu zwölf
Bandenmitglieder in der Vogelwanne. Bis die Amsel kommt. Obwohl
ansonsten ziemlich frech, reicht der bloße Anflug des größeren
Vogels aus, damit die Spatzenbande die Flucht ergreift.
Besitzergreifend macht sich nun die
Amsel breit. Doch wer kommt plötzlich angeflogen und setzt sich
dreist auf den Rand der Form? Ein Rotkehlchen. Die empörte Amsel
reckt den Kopf in seine Richtung, aber der kleine Vogel lässt sich
nicht beeindrucken. Mit einer Selbstverständlichkeit, die
ihresgleichen sucht, lässt sich das Rotkehlchen direkt neben der
Amsel ins Wasser gleiten. Und was passiert daraufhin? Man glaubt
es kaum, aber die Amsel verlässt genervt die Badeanstalt … was
wieder mal beweist, dass ein Mangel an Größe durchaus mit
selbstsicherem Auftreten wettzumachen ist.
08.02.2012
Helle Aufregung am vergangenen Samstag
in Kaiserslautern. Bis zur sonntäglichen Tatort-Folge, bei der
diesmal zu befürchten war, dass das sich möglicherweise Bahn
brechende Blut den Wohnzimmerteppich für alle Zeit ruinieren würde, waren es zwar noch einige Stunden hin, aber schon
musste der Hausmeister eines Mehrfamilienhauses in der pfälzischen
Stadt der roten Fußballteufel feststellen: In dem unter seiner Obhut
stehenden Anwesen schien ein blutrünstiges Monster sein Unwesen zu
treiben.
Das hatte ihm gerade noch gefehlt: Vom
Balkon des zweiten Stockes tropfte unaufhörlich Blut und bildete
eine kleine Pfütze auf dem Gehweg. Na ja, so ganz unerwartet kam das
nicht – schließlich hatte er sich schon immer gedacht, dass das
ziemlich komische Leute waren, die da wohnten. Aber gleich Mörder?
Zum Glück waren Rettungsdienst,
Feuerwehr und Polizei in Windeseile am Tatort. Mit Grausen verfolgten
die Nachbarn das Geschehen. Und mit noch größerem Grausen mussten
sie schließlich beobachten, dass einer der Feuerwehrleute seinen
Zeigefinger in die Lache stippte und anschließend zum Mund führte.
Igitt!
Vollends irritiert waren sämtliche
Zuschauer allerdings, als der Feuerwehrmann plötzlich lauthals zu
lachen begann und sogleich bereitwillig das Ergebnis der Ermittlungen
preisgab. Fall gelöst: Täter – der erbarmungslose Frost. Mordopfer –
eine arme, ihm auf Gedeih und Verderb ausgelieferte Flasche
Johannisbeersaft.
06.02.2012
Ist doch immer wieder interessant, wenn man verfolgt, wie viel Phantasie bezüglich ihrer Schlagzeilen bundesdeutsche Zeitungen imstande sind, übers Jahr an den jeweiligen Tag zu legen - oder auch nicht. Da gibt es einerseits Artikel, bezüglich derer man überhaupt nicht mehr dazu kommt, sie zu lesen, weil einen zuvor die Schlagzeile schon förmlich erschlagen hat. Dann finden sich aber glücklicherweise neben manch langweiligen und faden nicht selten auch sehr gescheit, geistreich und wortspiel-witzig formulierte Überschriften. Von Letzteren, da scheint der Verein deutsche Sprache recht angetan gewesen zu sein. So sehr, dass er sich veranlasst sah, eine Art Schlagzeilen-Schmunzel-Hitliste des Jahres 2011 zu erstellen. Wer sie liest, erfährt zum Beispiel, dass die Ruhr Nachrichten ihre Leser aufforderten: „Schicken Sie uns Ihre Schlaglöcher!“ und der Spiegel vom „Circus Krone – Sinn und Wahnsinn der britischen Monarchie“ berichtete. Die taz erzählte ihrer Leserschaft was über „Die vier von der Zankstelle“, die SZ meinte: „Mit den Dritten beißt man besser!“ und der Tagesspiegel verfolgte den „Jäger des verlorenen Satzes“. Damit war eigentlich der Chefdirigent des Berliner Konzerthausorchesters gemeint. Um den Einzigen seiner Art kann es sich dabei allerdings wohl kaum handeln … schaut man nämlich mal genau hin, dann lässt sich – bewaffnet mit Stift und Zettelblock – auch im Team der OZ das ein oder andere Exemplar dieser Gattung finden.
02.02.2012
Am heutigen 2. Februar findet in Amerika ein sehr wichtiges Ereignis statt. Wer bei ihm nicht dabei sein kann, der betrachtet ganz gespannt die Live-Übertragung im Fernseher – getrieben von der Frage: Kommt es heraus oder nicht? Ja, es kommt (mehr oder minder freiwillig) natürlich immer heraus aus seinem Bau, das Murmeltier. Schließlich ist heute der berühmte Groundhog Day, der amerikanische Murmeltiertag, an dem sich entscheidet, wie lange der Winter noch dauern wird. Und da gehört der kleine Namensgeber selbstverständlich unbedingt dazu. Unumstrittener Star unter den felligen Meteorologen ist Phil. Er lebt in Punxsutawney im US-Bundesstaat Pennsylvania und hat zahlreiche Fans, die heute bei Tagesanbruch am Ausgang seines Baus auf ihn warten. Erscheint Phil und man kann wegen fehlendem Sonnenschein seinen Schatten nicht sehen, dann wird es bald Frühling. Scheint hingegen die Sonne, dann dauert der Winter noch sechs Wochen. Oder auch nicht. Hauptsache, es wird gefeiert. Phil wird gefeiert, die fehlende Sonne, und wenn sie denn doch scheint, wird schon mal der ein oder andere Toast auf den früher oder später in jedem Fall beginnenden Frühling ausgesprochen. Es gibt nur eins, das den Amerikanern an ihrem Groundhog Day nicht gefällt – dass er nur einmal im Jahr stattfindet und es nicht alle 24 Stunden aufs Neue heißt: „Und täglich grüßt das Murmeltier!“
30.01.2012
Hätte er einen nicht angesprochen, er wäre wohl kaum wiederzuerkennen gewesen. In perfektem Business-Outfit, darüber ein Kaschmirmantel, so stand er mitten auf dem Marktplatz vor einem, der ehemalige Mitschüler. Auf die Frage, was ihn denn in die alte Heimat verschlagen habe, gab er an, dass er wegen seiner Magengeschwüre einen Professor in Frankfurt habe konsultieren müssen. Da sein Flieger nach New York jedoch erst am Abend starten würde, habe er sich gedacht, dass es nach zwei Jahrzehnten nun doch mal an der Zeit wäre, der Stadt, in der er geboren sei, einen kleinen Besuch abzustatten. Aber die Fahrt in die Provinz hätte er sich sparen können, äußerte er kopfschüttelnd. Sie sei nicht nur verschlafen, diese Kleinstadt, nein, sie sei im Tiefschlaf – hier gäbe es seinem Eindruck nach wohl noch nicht mal mehr einen Fuchs, der dem Hasen gute Nacht sagen könne. Die Frage nach Familie verneinte er. Als Consulting-Manager, der jeden Tag in einem anderen Flugzeug sitze, um wichtige Termine auf der ganzen Welt wahrzunehmen, habe er dafür nun wirklich keine Zeit, meinte er mit Blick auf seine goldene Rollex-Uhr. Was er dort sah, war dann auch Anlass für eine rasche Verabschiedung. Jeder ging seiner Wege. Aber was heißt 'ging' – der eine schlenderte und der andere hastete ... der Schlenderer der besten aller Ehefrauen und einem leckeren Tässchen Kaffee und der Hastende vermutlich einem neuen Magengeschwür entgegen.
26.01.2012
Zum Geburtstag hatte sich der kleine Alsfelder einen Plüschbär gewünscht. Den schleppte er fortan überall hin mit. Zum Kindergarten, zu Oma und Opa, als Leibwächter zum Kinderarzt und selbstverständlich mit ins Bett. Keinen Ort gab es, an den das hübsche, knuddelige Kunstfellknäuel seinen stolzen Besitzer nicht begleitet hätte. Ja, er war wirklich wunderhübsch, dieser Bär – bis auf ein Manko: Auch sechs Monate, nachdem der kleine Junge ihn zum ersten Mal in die Arme geschlossen hatte, war er immer noch ohne Namen. Kein Wunder, fand sich doch nach Ansicht seines Besitzers keiner, der der unvergleichlichen Persönlichkeit seines Bären auch nur im Ansatz hätte gerecht werden können. Fluffi, Wolli, Knut oder Bruno? Völlig unmöglich! Ein wirklich einzigartiger Name, einer, den noch kein Bär je getragen hatte, musste her. Aber, wie gesagt, es fand sich keiner. Bis zu einem ganz bestimmten Sonntagmorgen. Da saß der kleine Junge mit seinen Eltern, dem großen Bruder und dem namenlosen Bär am Frühstückstisch und es geschah, womit keiner mehr gerechnet hätte. Gerade war das letzte Käsebrötchenstück vertilgt, da strahlte der kleine Bärenfreund über zwei volle Backen und verkündete stolz, dass ihm nun endlich der passende Name für seinen Bären eingefallen sei: CAMEMBERT!
24.01.2012
Der Großvater, beheimatet in einem hübschen Vogelsberg-Dörfchen, war sehr verärgert. Gerade erst mal zehn Jahre war es her, da hatten er und seine Frau Gemahlin sich eine neue Treppe geleistet. Doch was war das? In letzter Zeit stellte er immer häufiger fest, dass bestimmte Stufen knarrten. Auf den geraden Stufen, die nach oben führten, war nichts zu hören. Doch jedes Mal wenn er auf denen angekommen war, die um die Biegung in den ersten Stock führten, hörte er diese Geräusche.
Nervig war das. Eigenartig aber auch, denn anscheinend hatte die Treppe nur etwas gegen ihn. Sobald sich seine Frau auf ihr bewegte, gab sie keinen Ton von sich. Gut, möglicherweise war ja das Gewicht dran schuld. Schließlich brachte er fast das Doppelte wie seine Gattin auf die Waage.
So wurde der Sohn aus der Stadt zwecks Klärung des Problems herbeigerufen. Doch es war zum Verrücktwerden – er hörte gar nichts, weder vom Erdgeschoss noch vom ersten Stock aus. Erst die Enkelin, die sich auf die Treppe setzte und den Opa an sich vorbeilaufen ließ, konnte das Geheimnis lüften. „Ach Opa“, sagte sie „das sind nicht die Stufen, die hier Töne von sich geben... das sind deine Knie!“
21.01.2012
Manchmal kann einen schon ein wenig Neid überkommen. Nicht, weil man da jemand vor sich hat, der vor Charme nur so sprüht und das gewinnbringendste Lächeln zeigt, das man je gesehen hat. Auch nicht, weil man einem Zeitgenossen begegnet ist, der in direkter Linie von Goethe oder Einstein abzustammen scheint. Und ebenfalls nicht, weil er seinem Aussehen nach zu urteilen garantiert mit George Clooney verwandt sein muss. Nein, mit alldem hat dieses kleine Neidgefühl nichts zu tun. Es beruht vielmehr auf dem unverhohlenen Selbstbewusstsein, das manche Leute völlig unberechtigterweise an den Tag zu legen imstande sind. Nur mit Mühe können Sie bis drei zählen, tun allerdings so, als hätten sie Mathematik studiert. Sie sehen aus wie eine Mutation zwischen Geierwalli und Krösa Maja, haben jedoch ein Auftreten wie Marilyn Monroe höchstpersönlich. Klar ist das peinlich. Trotzdem kann man sich eine gewisse Form der Bewunderung nicht verkneifen. Wir, wir stellen nämlich nicht selten unser Licht unter den Scheffel, sie aber tun so, als wären sie die hellsten Leuchten des Universums. Was lernen wir daraus?... ja, dass es ganz angebracht wäre, wenn wir ab und zu unser Licht in die Hand nehmen und uns damit zur Abwechslung mal auf den Scheffel stellen sollten.
19.01.2012
Wie in jedem Jahr, so ist sie auch nun wieder eingezogen, die Versammlung von verarmten Möchtegern-C-Promis und Pseudo-Sternchen, die allzu gern bereit ist, sich nicht nur zum Affen, sondern mindestens auch zum Kamel zu machen. Endlich wieder – hat man doch ein geschlagenes Jahr darauf verzichten müssen – tönt er wieder durch den australischen Dschungel und in bundesdeutsche Ohren, der Ruf: Ich bin ein Star, holt mich hier raus! Ach, und so mancher wäre allzu gern bereit, auf der Stelle tätig zu werden und diesem Ruf zu folgen. Mehr noch, am liebsten würde er gleich alle „Stars“ auf einen Schlag rausholen. Hauptsache, es würde endlich wieder Ruhe einkehren. Aber da müssen wir jetzt durch. Und was soll im Übrigen die Meckerei? Immer noch besser Couch und knusprige Chips als Dschungel und knackige Kakerlaken. Wir sollen schließlich (wenn überhaupt) nur zuschauen. Keinen Hunger und keinen Schmerz erleiden. Keinen Schmerz?... Fehlanzeige. Mediziner haben nämlich kürzlich herausgefunden, dass das Fremdschämzentrum im menschlichen Gehirn ganz nah am Schmerzzentrum liegt... womit sich Ihr eventuell geplanter Besuch beim Augen- und Ohrenarzt zwecks Abklärung akut mit Sendebeginn aufgetretener Schmerzen hiermit wohl erledigt haben dürfte.
09.01.2012
So mancher Morgen, der hat es wirklich in sich, denn alles deutet darauf hin, dass man wohl mit dem linken Bein aufgestanden sein muss. Der Zahnputzbecher landet mit Getöse im Waschbecken, das Haustürschloss klemmt und dann muss man auch noch hinaus und sich mit einer stürmischen Andrea anlegen, die wild entschlossen ist, dem Vogelsbergkreis eine ganz spezielle Form feuchter Stoßlüftung und seinen Bewohnern jede Menge Stoßseufzer zuteil werden zu lassen.
Verbissen und nach zwei Minuten schon klatschnass kämpft man sich in der Volkmarstraße voran. Kaum wagt man, den Kopf zu heben und übersieht so fast den orange gekleideten Herrn, der gerade dabei ist, den Mülleimer an der Ecke zu leeren. Doch das ist nicht seine einzige Beschäftigung. Nein, ganz freundlich wünscht er einem einen guten Morgen. Na ja, da ist wohl eher der Wunsch Vater des Gedanken, kommt einem in den Sinn.
Zaghaft wird der Kopf nun doch gehoben, um den Gruß zu erwidern und siehe da: Zum Gruß bekommt man auch noch ein Lächeln geschenkt. Man erwidert es... und urplötzlich hat man das Gefühl, das könnte doch noch ein ganz guter Morgen werden.
04.01.2012
Nicht ganz zu Unrecht beklagt sich so manche Frau über die Vergesslichkeit ihres Mannes. Die Termine sämtlicher Sportveranstaltungen, die hat er im Kopf, der Hochzeitstag gerät im Laufe der Jahre jedoch immer öfter in Vergessenheit. Die Sache beruht allerdings nicht selten auf Gegenseitigkeit. „Hast du meine silbernen Ohrstecker irgendwo gesehen?“ oder „Weißt du, wo ich meinen Sonnenbrille hingelegt habe?“ sind Fragen, die auch der Herr des Hauses sich des Öfteren stellen lassen muss.
Im hohen Vogelsberg hingegen, da gibt es einen Mann, der ist sehr glücklich, dass er eine vergessliche Ehefrau hat. Vor nicht allzu langer Zeit rief er sie nämlich ganz aufgeregt im Büro an und wollte wissen, wo denn die Wasserflasche, die er auf der Kellertreppe abgestellt hatte, hingekommen sei.
„Die hab ich gestern Abend in den Kühlschrank gestellt, um sie heute morgen mit ins Büro zu nehmen, sie dann allerdings vergessen“ tat die brave Gattin kund. „Das muss ja eine ganz besondere Flasche sein, wegen der du dich dermaßen aufregst - man könnte glatt meinen, da wäre geweihtes Wasser aus Lourdes drin.“ „Nein“, antwortete der sichtlich erleichterte Gatte, „Lourdes-Wasser nicht, aber der selbst gebrannte Schnaps von Onkel Erwin!“
02.01.2012
Männer haben's schwer... das hat schon Herbert Grönemeyer vollkommen richtig erkannt. Ja, Männer haben's wirklich schwer. Besonders die, die sich schier unlösbaren Problemen stellen. Wie zum Beispiel der Aufgabe, es jeder recht machen zu wollen - sowohl Mutter als auch Ehefrau.
Ein süditalienischer Sohn und Ehemann hat das Problem auf seine Art und Weise gelöst. Und man glaubt es kaum, sogar gleichzeitig. Die Polizei erwischte den Autofahrer nämlich beim doppelten Telefonieren: An einem Ohr hielt er das Handy mit Mama am Ende der Leitung und an dem anderen das, an dem seine Gattin ihm was ins Ohr flüsterte.
Die beiden Polizeibeamten trauten ihren vier Augen nicht und stellten sich die Frage: Wenn man alle zwei Hände voll zu tun hat, womit lenkt man dann sein Fahrzeug? Mit dem Knie, offenbarte ihnen der akrobatisch versierte Autofahrer. Diesem eröffnete sich im Gegenzug hingegen eine ganz andere Offenbarung: 152 Euro Bußgeld, 5 Punkte und eine kräftige Strafpredigt.
Aber solange nur der Autosegen schief hängt, dachte sich wohl der brave Mann, ist das auszuhalten... Hauptsache, der Haussegen tut's nicht.
31.12.2011
Sketche im Fernsehen und ihre Wiederholungen sind bewiesenermaßen reine Geschmackssache. Ebenso wie die indische Hühnersuppe, die Butler James seiner Herrin Miss Sophie in fortwährend gleicher Manier jedes Jahr zu Ehren ihres 90. Geburtstags mehrmals täglich an Silvester vorsetzt. Doch während die einen sich kringeln vor Lachen und vom „Dinner for One“ einfach nicht genug kriegen können, rollen die anderen genervt die Augen, wenn sie ins Programmheft schauen.
Ändert aber nichts daran: diese 1963 vom deutschen Fernsehen produzierte Sendung besitzt Kultstatus. Vielleicht gerade deshalb, weil sie für geteilte Meinungen sorgt. Beim Bundesamt für Naturschutz zum Beispiel. Das kritisierte 1997 heftig die Verwendung des ausgestopften Tigers, über den der arme James im Laufe von Abend und Alkohol immer öfter stolpert. Und die sich einer Ausstrahlung durch ihre Fernsehanstalten vehement widersetzenden Briten bemängelten, dass Miss Sophie eine gewisse Ähnlichkeit mit ihrer Queen aufweise.
Nun gut, die Briten sind ja seit jeher bekannt für ihren recht speziellen Humor. Aber auch wenn sie und ihre Herrscherin vom deutschen DfO nicht sonderlich „amused“ scheinen, lassen viele von uns sich auch heute, selbst wenn schon dutzendmal gesehen, „The same procedure as every year“ auf keinen Fall entgehen.
22.12.2011
Ach herrje, der Vorweihnachts-Stress! Nicht nur Geschenke müssen noch gekauft, der Braten eingelegt und der Soßen-Lebkuchen, ohne den kein weihnachtlicher Sauerbraten genießbar scheint, besorgt werden - nein, auch die siebte Dose harrt auf dem Küchenschrank immer noch ihrer Befüllung mit Butterplätzchen.
Stress hin oder her, für die deutsche Hausfrau kein Problem – für die norwegische hingegen schon. Dort herrscht nämlich bereits seit Wochen akuter Buttermangel, weil der Hauptanbieter gravierende Fehler bei der Berechnung des norwegischen Butterbedarfs gemacht hat. Zwischen 20 und 60 Euro, so die Kunde aus dem hohen Norden, werden mittlerweile auf dem Schwarzmarkt für ein Kilo des wertvollen Fettes gezahlt.
Und zu allem Überfluss machen sich die Nachbarn auch noch lustig: Reporter einer Stockholmer Boulevardzeitung verschenkten als Wichtel verkleidet in der vergangenen Woche schwedische Butter nebst süffisanter Randbemerkungen an norwegische Passanten.
Beschämt und demütig hat der Butterlieferant nun aber öffentlich seinen Fehler eingeräumt und versichert, dass, was das nächste norwegische Weihnachtsfest betrifft, garantiert nichts mehr in Margarine, sondern alles wieder in Butter ist.
20.12.2011
Nicht nur die Bürger der ehemaligen DDR, nein auch die Bundesrepublikaner erinnern sich gerne an sie - an die Weihnachtsgans Auguste aus dem gleichnamigen, im Jahr 1988 gedrehten Kinderfilm, der auch die Erwachsenen begeisterte. Kein Wunder, berührte er doch alle mild und weihnachtlich gestimmten Herzen, indem er deutlich demonstrierte, wie sehr das menschliche Mitgefühl auch Tieren gelten kann.
In diesem Fall Auguste, dem potentiellen Gänse-Festtags-Braten, der einige Wochen vor Weihnachten zwecks Mästung an die Familie Löwenhaupt geliefert wird. Die Kinder Elli, Gerda und Peterle sind allerdings ganz und gar nicht einverstanden mit dem nahenden Ende, das ihrer „Gustje“ bevorstehen soll. Kurzerhand erklären sie sie zum Familienmitglied und erreichen so, dass Gustje nicht nur die meisten ihrer Federn, sondern auch ihr Leben behält. Und, man glaubt es kaum – bis zum heutigen Tag. Die Gans, die Auguste (der eigentlich ein August ist) in dem Film verkörperte, lebt nämlich noch heute und steht in tierischen Nebenrollen sogar ab und zu vor der Kamera.
Was wieder mal beweist, dass man im Film wie im wahren Leben einfach nicht aufgeben darf ... und das ist auch für eine Gans ganz, ganz wichtig.
17.12.2011
Vampirjäger kennen wir ja schon, Geisterjäger auch. Nun jedoch sind auch noch die Planetenjäger aufgetaucht – und deren Jagd scheint, wie sie verlauten ließen, erfolgreich gewesen zu sein. Auf der Suche nach einem erdähnlichen Planeten sind sie eigenen Angaben zufolge nämlich gleich mehrfach fündig geworden: 16 sogenannte „Supererden“ wollen sie entdeckt haben. Die sind besonders interessant, meinen die Planetenjäger, denn es könnte sich bei ihnen um Gesteinsplaneten wie die Erde handeln und nicht um unbewohnbare Gasriesen wie Jupiter oder Saturn.
Eine Wahnsinnsentdeckung also, diese Supererden. Verfügen wir doch durch sie womöglich bald über gleich mehrere Ausweichmöglichkeiten, wenn der Mond überbevölkert sein wird mit all den nervigen und unliebsamen Zeitgenossen, die wir im Lauf der Zeit dorthin geschickt haben oder denjenigen, die völlig freiwillig am Rande eines Kraters die Mondscheinsonaten-Ferienvilla bezogen haben, weil sie endlich mal ihre Ruhe vor den restlichen Erdianern haben wollen.
Ja, und wer weiß, vielleicht dauert es nun gar nicht mehr lange und im Reisebüro verlangt niemand mehr nach einer Flugreise in Richtung Mallorca oder Teneriffa - nein, die nächstgelegene außer-überirdische Supererde 1, die muss es dann mindestens schon sein.
14.11.2011
Mit dem wahren Leben haben die Folgen der berühmt-berüchtigten Reality-Fernseh-Serien, die angeblich einen echten Blick in den Wahnsinn erlauben, der sich tagtäglich in deutschen Familien und Beziehungen abspielen soll, wirklich nicht das Geringste zu tun. Nein, das wahre Leben spielt sich ganz woanders ab. Im öffentlichen Nahverkehr beispielsweise, dessen erste Silbe womöglich auch daher rührt, weil man seinen Nächsten dort wirklich ganz, ganz nah kommen kann. So nah, dass man jedes Wort, das sie am Handy verlauten lassen, automatisch mitbekommt.
Einen Genuss für die anderen Fahrgäste stellen die meist sehr lautstark geführten Gespräche zwar nicht unbedingt dar, in jedem Fall jedoch sind sie informativ und oft auch amüsant. Man erfährt zum Beispiel, dass dem Opa doch tatsächlich seine dritten Beißerchen in die Toilettenschüssel gefallen sind oder dass der Kevin am Wochenende ne „Boh-Ey-Ultrahammergeile-Paahrdy“ veranstaltet hat.
Ja, so gut wie nichts bleibt einem verborgen. Bloß der jugendliche Telefonierer, der bekommt von alldem, was um ihn herum gesprochen wird, nicht das Geringste mit... sofort nach Beendigung seines Gesprächs setzt er nämlich wieder die Kopfhörer auf, um seine „Boh-Ey-Ultrahammergeile-Paahrdy-Mucke“ zu hören.
23.11.2011
Von A bis Z – wem dieser kurze Satz zu Ohren kommt, der weiß auf Anhieb, was gemeint ist: Von Anfang bis Ende, von hinten bis vorn, rundherum komplett also.
In jüngster Vergangenheit jedoch war in Radio, Fernsehen und Internet immer mal wieder die Rede von einer anderen Buchstabenkombination - und zwar von O bis O.
Von O bis O? Was in aller Welt hat das denn zu bedeuten? Von Oldenburg bis Oberammergau? Von Orient bis Okzident? Oder gar von Otto bis Ottilie?
Nein, all das trifft nicht zu. Von O bis O stellt vielmehr einen Zeitraum dar, für den man tunlichst eine Veränderung vorgenommen haben sollte – und zwar an seinem Fahrzeug. Fachleute sind nämlich der Meinung, dass es durchaus angebracht sei, sein vierrädriges Vehikel in der Zeit von Oktober bis Ostern mit Winterreifen auszurüsten. Nach Einführung der so genannten Winterreifenpflicht wäre das auch gar keine so schlechte Idee, selbst für jene unbelehrbaren Zeitgenossen, die behaupten, dass, wer „richtig gut“ Auto fahren könne, keine Winterreifen brauche.
Also... wenn man nicht unbedingt am laufenden bzw. frostigen Band 80 Euro Bußgeld zahlen und einen Punkt in Flensburg kassieren will: Macht Winterreif die Straßen glatt, sind Winterreifen angebracht!
29.10.2011
Wohl keine Ortschaft, die das Problem nicht kennt: Auf Straßen und Bürgersteigen, ja, sogar in umzäunten Vorgärten findet sich Müll, den unangenehme Zeitgenossen achtlos dort entsorgt haben.
Auch Englands Hauptstadt hat mit diesem Problem zu kämpfen. Deshalb wurde nun beschlossen, zu investieren – und zwar in singende Mülltonnen. Jedes Mal, wenn jemand etwas in eine diese speziellen Tonnen wirft, dann erklingt als Belohnung ein kleines Liedchen:“I'm singing in the bin!“ (Ich singe in der Tonne!) oder „Rubbish keeps falling on my head!“ (Müll fällt weiter auf meinen Kopf!) zum Beispiel.
Die ersten Früchte scheint das Projekt schon zu tragen, denn Beobachtungen zufolge soll die Umgebung der singenden Mülltonnen wirklich sauberer geworden sein. Eine prima Idee also, mit der sich vielleicht auch unser Städtchen vom Müll befreien ließe.
Wobei wir allerdings mit einer noch besseren Idee aufwarten können: Dem „Leckerli-Spender“ an der Dog-Station, aus dem es jedes Mal nach ordnungsgemäßer Ablieferung eine kleine Belohnung für den Erzeuger des Inhalts der Plastiktüte gibt... und der bewirkt, dass es zukünftig in Alsfeld nur noch so wimmelt von vierbeinigen Plasterschissern, die nach Erledigung des großen Geschäfts ihr Herrchen am Hosenbein zur Dog-Station schleifen.
22.10.2011
„Lass das mal den Profi machen!“ – unzählige Male und bei den verschiedensten Anlässen haben wir diesen Satz wohl schon zu hören bekommen. Absolut perfekt muss die Sache nun mal sein, um etwas zu taugen. Und da sollte ein Spezialist ran. Ja, unbedingt. Nur ein Fachmann macht das wirklich richtig.
Wer will schon einen Amateur, einen dilettantischen Laien? Der wurschtelt sich irgendwas zusammen, was nachher hinten und vorne nicht passt und auch noch aussieht wie Hulle. Nein, nein, wo kämen wir denn da hin? In Teufels Küche oder schlimmstenfalls zwei Meter tief unter die Erde.
Und außerdem: Wo kommt die Bezeichnung Amateur überhaupt her? Aus dem Französischen. Aha. Und 'Liebhaber' bedeutet sie. Da wissen wir doch schon alles, nicht wahr. Liebhaberei – Spiel, Tand und Firlefanz. Nichts Handfestes.
Nichts Handfestes? Na ja, vielleicht sollten wir unsere Meinung doch noch einmal überdenken. Speziell, wenn wir uns Gedanken darüber machen, dass die Titanic von erfahrenen Profis gebaut wurde... die Arche hingegen von einem völlig unerfahrenen Amateur.
17.10.2011
Jungs mögen schweres Gerät. So gut wie kein Kinderzimmer, das von einem kleinen Mann bewohnt wird, findet sich, in dem es nicht wimmelt von Lastkraftwagen und Baggern in Miniaturformat. Mit steigendem Alter und Körpergröße lässt die Begeisterung bisweilen jedoch schlagartig nach. Dann sitzen die Jungs nämlich selbst hinterm Steuer und denken sich während ihrer zeitraubenden Odyssee durch die Straßen beim Blick eines Baggers nicht selten: Oh je, schon wieder eine Baustelle!
Doch auch kleinen Mädchen, die an der Hand des Großvaters über den Bürgersteig laufen, fällt das auf. „Opa, schau, da vorne ist schon wieder eine Aua-Stelle!“ Der Opa weist die junge Dame darauf hin, dass es sich um eine Baustelle handelt. „Nein,“ beharrt die Kleine, „nach meinem Sturz neulich hatte ich auch eine schlimme Aua-Stelle am Kopf. Ein richtiges Loch, das furchtbar weh getan hat, war das. Ja, und die armen Straßen in Alsfeld, die haben ganz viele davon!“
Wo sie Recht hat, hat sie Recht, die Kleine. Mit einem Unterschied allerdings: Diese speziellen Bau-Aua-Stellen, die tun der Straße nicht weh... umso mehr aber dem, der sich gezwungen sieht, sie irgendwie umfahren zu müssen.
07.10.2011
Vom in diesen Tagen wieder einmal verliehenen Nobelpreis hat ja gewiss schon jeder gehört. Dass es allerdings in satirischer Anlehnung an ihn noch einen zweiten Preis, den so genannten Ig-Nobelpreis gibt, davon wissen nur die Wenigsten.
Hierbei handelt es sich um eine Auszeichnung, die seit 1991 von der Harvard-Universität im amerikanischen Cambridge vergeben wird für unnütze, unwichtige und skurrile wissenschaftliche Arbeiten, die die Leute zunächst zum Lachen, dann aber doch irgendwie zum Nachdenken anregen.
Auch in diesem Jahr wurde der Preis wieder vergeben. Zum Beispiel an emsige Forscher, die die Fragen beantworten konnten, warum das Gähnen der Köhlerschildkröte nicht ansteckend ist und warum Männchen einer australischen Käferart ständig versuchen, sich mit Bierflaschen einer bestimmten Marke zu paaren.
Nun mag man streiten über Sinn, Zweck und Notwendigkeit solcher Forschung. Der diesjährige Ig-Nobelpreis für Mathematik, der wurde allerdings mit gutem Grund an gleich sieben Personen vergeben. Und zwar dafür, dass sie der Welt vorführten, wie vorsichtig man mit mathematischen Angaben und Berechnungen sein muss... besonders dann, wenn man vorgibt, den absolut gewissen, todsicheren, nicht abwendbaren, aber unglaublicherweise dann doch nicht stattfindenden Weltuntergang errechnet zu haben.
30.09.2011
Jeden Morgen die selben Gesichter, die gleichen, manchmal leider arg abgewetzten Sitze und eine vorbeifliegende Landschaft, die man nach jahrelanger Betrachtung fast schon so gut kennt wie seine Westentasche. Ach ja, Regionalbahn fahren kann ganz schön langweilig sein!
Der einzige Vorteil: In Gießen ist Endstation und man hat die Möglichkeit, noch ein kleines Nickerchen zu machen. Gut so, lautet das Motto während der Fahrt doch wie immer: Absolut nichts Neues im Westen.
Noch tiefer im Westen hingegen schon. Dort trauten nämlich neulich die vor sich hin dösenden Fahrgäste eines holländischen Zuges ihren Augen nicht, als an einer Station plötzlich seelenruhig ein stilecht gekleideter Ritter mit scheppernder Rüstung, herunter gelassenem Visier und riesigem Schwert einstieg.
In ihrer Verzweiflung zogen die Reisenden blitzschnell die Notbremse und flüchteten angsterfüllt aus dem ritterlich eroberten Abteil. Die Sondereinheit der Polizei, die anschließend den Zug stürmte, ließ sich allerdings keinerlei Angst einjagen, weder vor dem Ritter noch vor seinem Plastikschwert.
Himmel, was für eine Aufregung! Dann lieber gar nichts Neues im Westen, als solche mittelalterlichen „Überraschungen“... na ja, die Eroberung durch liebreizend-knackige Burgfräuleins selbstverständlich ausgenommen.
27.09.2011
Durchaus begründet, dass der Name des Schirmes im Althochdeutschen „Schutz“ bedeutet - zwar nicht immer trockenen Fußes, aber zumeist trockenen Hauptes gelangen wir mit seiner Hilfe geschützt an unser Ziel. Und auch dem Fallschirmspringer ist er sehr dienlich. Sorgt er doch dafür, dass dieser nach sanfter Landung auf Mutter Erde weiterhin quicklebendig und fidel auf ihr herumlaufen kann.
Schon früh erkannte der Mensch die Vorzüge einer Beschirmung. Vor der gleißenden Sonne des Morgenlands gut geschützt durch einen großen Schirm trugen die alten Ägypter ihren Pharao auf einer Sänfte durchs jubelnde Volk. Und bis in unsere Zeit hat sich an dieser Einsicht nichts geändert - in Japan zum Beispiel dient ein filigraner Sonnenschirm empfindlichen Damen bis heute zur Erhaltung ihrer vornehmen Blässe.
Vor kurzem ist allerdings noch eine weitere Schirmvariante aufgetaucht: Der gigantisch große Euro-Rettungsschirm. Mit eigenen Augen gesehen hat das Exemplar zwar noch keiner, dem Verlauten nach soll dieser Schirm aber höchst widersprüchliche Eigenschaften besitzen. Über Griechenland, da lässt er angeblich – immer mal wieder unterbrochen von wohlig warmem Geldregen – behaglich sanft die Sonne lachen ... gleichzeitig soll er aber dafür sorgen, dass das immer blasser werdende Deutschland mit kalten Füßen permanent im hagelkörnigen Risikoregen steht.
10.09.2011
Nicht, dass der fleißige Mann sich nach mühsam getaner Arbeit seinen Schlaf nicht redlich verdient hätte. Nein, nach einem anstrengenden Tag hatte er ihn zudem bitter nötig. Und so geschah es denn auch, dass er keine zwei Minuten, nachdem er sein müdes Haupt aufs Daunenkissen gebettet hatte, tief und fest schlief.
Mitten in der Nacht jedoch schreckte er hoch. Was war das für ein eigenartiges Geräusch, das da durchs geöffnete Schlafzimmerfenster drang? Langsam schob er die Gardine zur Seite und spähte hinaus. Alles war dunkel. Aber kein Zweifel - irgendwer machte sich gut hörbar mit einem metallenen Gegenstand am Nachbarhaus, deren Bewohner momentan im Urlaub waren, zu schaffen! Oh je... Einbrecher!
Vorsichtig tapste der gute Mann im Dunkeln zum Telefon, um die Polizei zu rufen. Und ehe er sich versah, und wirklich schneller, als die Polizei erlaubt, war die erblaute Minna mit zwei Beamten da.
Allerdings scheiterte die nachbarschaftlich erwünschte Festnahme des Übeltäters kläglich am fehlenden Haftgrund ... im Strafgesetzbuch ließ sich nämlich beim besten Willen kein Paragraph finden, der es einem hungrigen Igel untersagt, das Geräusch seines knurrenden Magens übertönen zu wollen, indem er einen leeren Blechnapf über die Steine einer Terrasse schiebt.
05.09.2011
Die Bayern, unsere Bundeslandnachbarn, sind nicht nur für ihre krachlederne Bekleidung, ihr Bier und ihre Weißwurst bekannt, nein für ihre Gemütlichkeit ebenfalls. „Imma mit da Ruah!“ ist der Leitsatz so manchen Bewohners. Auf Stress und Hektik, da kann der Bayer wirklich gut verzichten. Reicht schon, wenn der Rest der Welt sich verrückt macht und durch dieselbe hetzt.
Ja, und genau das hat auch Herr Liebl aus Trasham in der Nähe von Passau sich gedacht. Auto, Bus, Bahn oder Flugzeug, um in den zweiwöchigen Urlaub zu fahren? Um Himmels willen, da hat man ja so gut wie nichts von der schönen Landschaft!
Herr Liebl hat also kurzerhand seinen Traktor aus der Scheune geholt, um Ferien bei einem guten Freund zu machen. 11 Alpenpässe und 1600 Kilometer später konnte er ihn im italienischen Parma in die Arme schließen. Mehrere Kilometer Umweg über Schweizer Serpentinen eingeschlossen, weil dort das Benzin ein gutes Stück billiger war.
Gut möglich deshalb, dass der sparsame Herr Liebl auch schwäbische Wurzeln hat. Ein Asiate könnte allerdings durchaus auch unter seinen Vorfahren gewesen sein ... denn wie sagte der legendäre chinesische Philosoph Konfuzius einst schon: Der Weg ist das Ziel!
31.08.2011
Neulich am Alsfelder Erlenteich: Ganz verzweifelt steht ein kleiner Junge am Rand des Teichs. Er war auf dem Weg zum Schwimmbad, aber sein Ball ist ins Wasser gefallen und schwimmt nun langsam Richtung Insel. Außer einem älteren Herrn mit Spazierstock scheint niemand in der Nähe zu sein. Was tun?
Da macht sich jemand von einer schattigen Bank am anderen Ufer auf den Weg. Im Sonnenlicht erkennt man einen finsteren, ziemlich ungepflegten Burschen. Sein Gesicht ist hinter den buschigen Augenbrauen und dem riesigen Bart kaum zu erkennen. Langsam bewegt er sich auf den Jungen zu. Der macht ein paar Schritte zurück. Verständlich, der finstere Mann ist ihm ganz und gar nicht geheuer.
An der Bank hinter der Unglücksstelle angekommen, entledigt der Bärtige sich bis auf die anscheinend ziemlich in die Jahre gekommene Unterhose seiner Kleidung. Dann lässt er sich langsam ins Wasser gleiten und watet Richtung Ball, um ihn herauszufischen.
Fasziniert beobachtet der Junge den Alten, der vielleicht noch gar nicht so alt ist, nimmt dankbar den nassen Ball in Empfang, bietet ihm schließlich sein Handtuch zum Abtrocknen an und hat hoffentlich etwas ganz Wichtiges für's Leben gelernt: Hinter so mancher Schale, und möge sie auch noch so rau erscheinen, da schlägt nicht selten ein ganz weiches, hilfsbereites Herz.
29.08.2011
Da wurde bei einer kürzlich erhobenen Studie herausgefunden, dass der Mensch seine Arbeit angeblich viel besser erledigt und auch viel lieber tut, wenn er dafür ein Lob bekommt. Einer aufwendigen Studie hätte es allerdings dazu nicht unbedingt bedurft. Nein, denn schon im Kleinkindalter hatten wir Gelegenheit, zu dieser Erkenntnis zu gelangen – und zwar durch die Töpfchen-Studie. „Ei wie schön, das hast du aber fein gemacht!“ bekamen wir in liebevoll anerkennendem Ton zu hören, wenn im kleinen Plastik-WC das Gewünschte zu finden war. Und derart motiviert war uns fortan sehr an einer prompten Füllung gelegen.
Doch vom Töpfchen bis zur Toilette der Chefetage ist es ein weiter Weg. Meter für Meter und Jahr für Jahr kann man da so einiges vergessen. Zum Beispiel, dass gute Arbeit keine Selbstverständlichkeit ist, auch wenn man denjenigen, der sie tut, dafür bezahlt.
Und da Studien zwar gut sind, sich allerdings erst als wirklich gut und schön erweisen, wenn man sie umsetzt, empfehlen wir heute Folgendes: Sollte Ihr Chef auch zu den Töpfchenzeit-Vergesslichen und Lobverweigerern zählen, dann schneiden Sie doch einfach unser heutiges GuMo aus und kleben es als Guten-Morgen-Gruß gut sichtbar an die Kacheln der Cheftoilette... manchmal muss man halt auch die Chefs ein klein wenig motivieren!
08.08.2011
Schon Franz von Assisi schien auf den Hund gekommen zu sein. „Dass mir mein Hund das Liebste sei, sagst du, oh Mensch, sei Sünde. Mein Hund ist mir im Sturme treu, der Mensch nicht mal im Winde!“ ließ er im 13. Jahrhundert verlauten - und keine Frage: zeitgeistunabhängig gibt es zahlreiche Menschen, die diesem weisen Mann immer noch voll und ganz beipflichten. Bis zum heutigen Tag zählt der Hund neben der Katze unangefochten zu den beliebtesten Haustieren. Nicht ohne Grund, ist er doch ein wirklich treuer Begleiter und Weggefährte, der Frauchen und Herrchen von Herzen liebt und, falls nötig, mit Zähnen, Pfoten und sogar mit seinem Leben verteidigt. Gedankt wird ihm das in so manchem Fall aber leider nicht. Nein, nach dem Motto „Er soll nicht leben wie ein Hund!“ bekommt er Hausmacher Wurst und eine ordentliche Portion von „Mamas“ gut gewürztem Gulasch. Und weil Frauchen so sehr friert, kann es vorkommen, dass er im Winter Mäntelchen und Pudelmütze tragen muss. Der unartgerechtesten Behandlung die Krone aufgesetzt hat allerdings Fußballergattin Victoria Beckham. Deren Bulldogge Coco bekommt regelmäßig die Pfotennägel lackiert. Da soll er mal nicht verrückt werden, der arme Hund... auch ohne in der Pfanne sitzen zu müssen.
29.07.2011
Der Duden, das deutsche Universalwörterbuch, gibt an, dass der Wortschatz unserer Alltagssprache ungefähr 500.000 Wörter umfasst. Eine ganze Menge, wenn man bedenkt, dass das deutsche Alphabet, eine Variante des lateinischen Alphabets, nur aus 26 Buchstaben besteht. Unglaublich jedoch, was man in immer wieder anderer Zusammensetzung von „Aa“, dem Namen europäischer Flüsse und Bäche, bis „zzgl.“, der Abkürzung für zuzüglich, alles aus ihnen machen kann!
Zuweilen jedoch, da sollte man ganz genau hinsehen, denn so ein paar klitzekleine Buchstaben mehr oder weniger können eine ganze Menge ausmachen: Otto wird dann nämlich plötzlich zum Motto und die Iren irren sich und mutieren gar zu Irene. Heute häute ich mich, denkt sich die Schlange, und ist, eh man sich versieht, nur noch eine Lange. Das Kompott hingegen hat ganz andere Probleme: Es landet grundlos auf dem Kompost und entschließt sich deshalb – wer könnte es ihm verdenken – mit anderen Gartenabfällen zu einem Komplott.
Ach ja, und ganz klar: Ohne die Evolution hätte es vermutlich nie eine Revolution gegeben. Was aber nichts daran ändert, dass der Verkehr dank eines zusätzlichen Buchstabens sowie diverser fehlgeschalteter Ampeln manchmal absolut verkehrt läuft... und das führt dann nicht selten – wer könnte es uns verdenken – als Zeitungs-Partikel in Form eines Artikels zu einer Reaktion durch
DIE REDAKTION
20.07.2011
In unserer schönen Hauptstadt gibt es unzählige Möglichkeiten, sich körperlich zu ertüchtigen: Sportvereine, Yoga-Clubs und Fitness-Studios in allen nur denkbaren Variationen sind stets willig und bereit, neue Mitglieder aufzunehmen.
Auch Tauchkurse in Schwimmbädern oder Seen im Berliner Umland werden angeboten. Zudem die Teilnahme an Veranstaltungen wie der „City-Nacht“ Ende Juli, bei der der gesamte Kudamm gesperrt und für Skater, Läufer, Power-Walker und Rollstuhlfahrer freigegeben wird. Ja, es besteht sogar die Möglichkeit, ein Höhentrainingsstudio zu besuchen.
Ein Höhentraining ganz spezieller Art, „Shoefiti“ genannt, wird jedoch seit einiger Zeit von so manchem Berliner praktiziert: Er bindet ein Paar Turnschuhe an den Schnürsenkeln zusammen und wirft es dann so lange in die Luft, bis es an Ampeln, Laternen und Lichtmasten hängen bleibt. Und so kommt es, dass in Teilen der Stadt schon halbe Schuhläden an der frischen Berliner Luft baumeln. Dies sei Kunst, meinte ein Berliner Galerist hierzu, denn alles, was im öffentlichen Leben stattfindet, nicht dem gesellschaftlichen Reglement entspricht und andere zum Nachdenken anregt, sei als solche zu betrachten. Na ja, wie man's nimmt... eine Kunst für sich wird's wohl allemal sein, die Dinger überhaupt dort oben hin zu kriegen.
21.06.2011
Das Universum ist laut Berechnung von Wissenschaftlern ungefähr 13,7 Milliarden Jahre alt. Gut, zu wissen. Ansonsten gibt es uns jedoch unzählige Rätsel auf. Wir fragen uns zum Beispiel, ob die Marsmännchen existieren. Sind sie wirklich grün und haben kleine Antennen auf dem Kopf? Vielleicht gibt es sie ja gar nicht, dafür aber wird die Venus von lilafarbenen Frauchen bevölkert, die Radarschüsselhüte tragen, wer weiß. Keiner kann mit Sicherheit behaupten, dass es nicht so ist.
Na ja, immerhin haben wir es aber geschafft, auf den Mond zu fliegen. Ist doch schon mal was. Und von Tag zu Tag erfahren wir von den Forschern ein klein wenig mehr. Vor ein paar Tagen zum Beispiel haben sie weitere dieser mysteriösen schwarzen Löcher entdeckt. Die saugen angeblich nicht nur das Licht in sich hinein, sondern auch ganze Sterne. Zum Glück sind sie aber ziemlich weit weg von uns. Wer weiß, ansonsten käme so ein gefräßiges Ding vielleicht noch auf die Idee, sich die Erde einzuverleiben. Das wird aber wohl ohnehin nicht passieren – die schwarzen Löcher haben nämlich bestimmt genug damit zu tun, all die Luftballons, die sich beim Pfingstmarkt selbstständig gemacht haben, zu verschlingen.